Zwei Männer traten in Ludwigshafen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und bis zum Ende der 1970er-Jahre als Kunstmaler in Erscheinung. Beide erfuhren weit über die Gemeindegrenzen große Wertschätzung. Es waren dies Friedrich Begher und Werner Mollweide.
Friedrich Begher
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Friedrich Begher wurde 1898 als jüngstes von acht Kindern des Ingeneuers Pietro Begher und seiner Frau Martina, geb. Lindenmayer in Ludwigshafen geboren. Er besuchte von bis 1913-1916 das Lehrerseminar in Meersburg. Nach Aufenthalten an Schulen in Pforzheim, Böhringen, Öhningen am Untersee, Wiechs bei Steißlingen und zuletzt ab 1952 als Schulleiter in Sipplingen kehrte er nach seiner Pensionierung 1967 mit seiner Frau in seinen Geburtsort Ludwigshafen zurück.
Man kann mutmaßen, dass das künstlerische Talent Friedrich Begher in die Wiege gelegt oder seine Hinwendung zur Malerei durch das Vorbild und den Einfluss seines Vaters angeregt wurde. Pietro Begher, von dem sehr schöne Portraitzeichnungen erhalten sind, hatte die genaue Beobachtung und das akribische Zeichnen vemutlich auf der Baumeisterschule in Mailand gelernt.

Während des Lehrerseminars wurde Friedrich Begher von Kunsterzieher Emil Bödigheimer gefördert, der sein künstlerisches Talent erkannte. In Pforzheim lernte er an der Kunstgewerbeschule die Künstler Bert Joho und Erwin Aichele, einen bekannten Tiermaler, kennen, deren Einfluss in Beghers Bildern und Malstil spürbar ist. Begher betrieb die Malerei gewissermaßen als Nebenberuf, man könnte auch sagen als professionelles Hobby. Er arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Lehrer und konnte sich dadurch der Malerei auf einer soliden finanziellen Grundlage widmen. Begher war ein großer Naturfreund und leidenschaftlicher Jäger. Insbesondere galt sein Interesse Vögeln, die auf vielen seiner Tierbilder zu sehen sind.
Werner Mollweide
Werner Mollweide erblickte das Licht der Welt 1889 in Straßburg als Sohn eines Gymnasiallehrers. Um 1910 verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt an den Bodensee, zuerst nach Litzelstetten, dann nach Ludwigshafen. Er wohnte anfangs in der Sommerhalde bis ihm sein langjähriger Freund und Mäzen, Emil Freiherr von Dungern, ein Medizinprofessor von Weltruf, dessen Nichte er 1921 geheiratet hatte, das Haus an der Seehalde unterhalb des Schlössles vermachte. Hier lebte er mit seiner Familie die letzten 25 Jahre seines Lebens bis zu seinem Tod im März 1978.
Mollweide konnte auf kein künstlerisches Erbe zurückgreifen. Seine Motivation, sich der Malerei zuzuwenden, wurde angeregt durch ein Stillleben des Malers Lothar von Seebach, das er als Schüler in einer kleinen Kunstausstellung in Straßburg gesehen hatte. So besuchte er nach dem Gymnasium die Kunstgewerbeschule in Straßburg und wurde in das Atelier Seebachs aufgenommen.
Im Unterschied zu Begher bemühte sich Mollweide, allein von der Malerei zu leben, was ihm aber nur leidlich gelang. Er entwickelte einen eigenen Malgrund, ließ ihn patentieren und versuchte, ihn zu vermarkten. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Werner Mollweide sogar ein eigenes Labor im Speicher seines Hauses in der Sommerhalde, wo er Künstlerfarben produzierte, die er vor allem nach Amerika exportierte. In seinem Labor betätigte er sich auch als Drogist. So produzierte er neben Parfum beispielsweise ein Haarwasser mit dem Namen „Serna“, dessen Bezeichnung auf Sernatingen zurückzuführen ist, dem ursprünglichen Namen von Ludwigshafen.
Um sein Einkommen noch auf andere Art zu verbessern, nahm Mollweide verschiedene Tätigkeiten an. Er arbeitete während des Zweiten Weltkrieges vorrübergehend im Konstruktionsbüro der Landmaschinenwerke Fahr in Stockach. Bis zur Kreisreform Anfang der 1970er Jahre war er über zwanzig Jahre lang ein engagierter Kreisbeauftragter für den Natur- und Denkmalschutz im Kreis Stockach. Mollwiede setzte sich in den 1960er Jahren vehement für eine uferferne Führung der Bodensee-Autostraße ein. Dass die Dörfer am See heute nicht von einer Autoschnellstraße durchschnitten werden und als Erholungszentren erhalten blieben, ist in Teilen seinem energischen Einsatz zu verdanken.
Werner Mollweide setzte sich auch für das Gemeinwohl der Gemeinde Ludwigshafen ein. Im Ersten Weltkrieg wurde ihm die Aufgabe zugeteilt, die gerechte Verteilung der knapp gewordenen Lebensmittel zu organisieren. Aufgrund seiner unbelasteten Vergangenheit -er war 1936 wegen „heimtückischer Angriffe gegen Partei und Staat“ kurzzeitig in Stockach inhaftiert- wurde er nach Kriegsende im April 1945 von der französischen Besatzungsmacht kommissarisch zum Bürgermeister von Ludwigshafen ernannt. Sicherlich spielte dabei die Tatsache eine Rolle, dass er als gebürtiger Straßburger hervorragend Französisch sprach.
Ähnliche Motive – Unterschiedliche Malstile
Das bevorzugte Motiv beider Künstler war die Bodenseelandschaft und insbesondere der Überlinger See. Darin waren sich die Maler ähnlich. In ihrer künstlerischer Ausrichtung unterschieden sie sich jedoch stark. Mollweide entfernte sich nie von einer realistischen Landschaftsmalerei. Er legte in seinen Bildern Gewicht auf eine möglichst unverfälschte Widergabe der Natur und den Stimmungsgehalt der Landschaft.


Seine malerische Perfektion suchte er in einer immer sensibleren Wahrnehmung von Farbeindrücken in der Natur und ihrer Wiedergabe auf der Malfläche. Mit wachsendem Feingefühl bemühte er sich, die sich verändernden Lichtverhältnisse subtil auf die Leinwand zu übertragen. Stilistische Experimente waren nicht sein Ding, abstrakte Darstellungen lehnt er ab.
Im Unterschied dazu wandte sich Begher, der vor 1950 noch gegenständlich nach der Natur malte und zeichnete, in späteren Jahren immer mehr der abstrakten Malerei zu, bei der die Motive auf ihre geometrischen Grundformen reduziert werden, die Objekte ihre perspektifische Tiefe verlieren und flächig werden. Dabei war es aber auch Begher immer wichtig, dass die Inhalte und Motive seiner Bilder erhalten und erkennbar blieben.



Beide Künstler verstarben im selben Jahr, 1978, Friedrich Begher im Alter von 82 und Werner Mollweide mit 89 Jahren.


