Mit dem Holzvergaser ging’s zum Fußballspiel

Ein Jahr nach Kriegsende, also im Jahr 1946, genau genommen am 17. August 1946 wurde der SV Ludwigshafen gegründet. Im Frühjahr 1946 unterhielten sich einige junge Ludwigshäfler über die Möglichkeit gemeinsam Fußball zu spielen. Doch schnell stellte man fest, dass man dafür eine Genehmigung der französischen Militärregierung benötigte, weil die Franzosen befürchteten, dass Treffen mehrerer junger Männer zu militärischen Umtrieben mißbraucht würden. Hans Lindenmayer, auch bekannt als H-O, war es der die Initiative ergriff und mehrfach in Freiburg vorstellig wurde und schließlich beim Sportbeauftragten der Militärregierung die Unterlagen für die Vereinsgründung mit den drei dafür erforderlichen Unterschriften von ihm selbst, Hermann Honstetter und Franz Begher einreichte.

Am 16.8 erfolgte die Genehmigung für die Gründung des Vereins und am Folgetag fanden sich 39 sportbegeisterte Bürger zur Gründungsversammlung im Hotel Löwen ein. Die jungen Männer hatten es offensichtlich eilig endlich Fußball spielen zu dürfen.

Am 29. September fand dann auch schon das erste Freundschaftsspiel im Hangen, der neuen Spielstätte, gegen den SV Volkertshausen statt. Doch welche Hindernisse mussten dafür überwunden werden, wie waren die Anfänge des Fußballsports am SeeEnde? Zunächst brauchte man natürlich einen Fußballplatz. Das Sportgelände wurde freundlicherweise von Graf Johannes von und zu Bodman im Hangen zwischen Bodman und Ludwigshafen zur Verfügung gestellt. Dann wurden Holztore gesetzt. Einige Jahre später erhielt auch der TSV Bodman, wenige Meter dahinter, Richtung Bodman versteht sich, einen Fußballplatz vom Grafen im Hangen zur Verfügung gestellt. Die nächste größere Schwierigkeit war es einen oder mehrere Bälle zu bekommen, denn die konnte man nicht einfach so im Internet oder beim Sporthändler in Stockach oder Überlingen kaufen. Die Bälle waren damals noch aus Leder und hatten eine Lunge aus Gummi und wurden selbstverständlich in Handarbeit von Schustern gefertigt. Deshalb war die Funktion des Ballwarts, die Otmar Heim als erster ausübte, keine leichte Aufgabe. Auch Fußballschuhe gab es noch nicht. Adidas, das erste Unternehmen, das im größeren Stil Fußballschuhe herstellte, das wissen viele Fußballfreunde, kam erst nach der Weltmeisterschaft 1954 auf und so hatte man Fußballschuhe vom Schuster mit Stahlkappen und Nägeln in den Sohlen, um einen besseren Halt auf dem oft schmierigen Boden oder rutschigen Rasen zu besitzen.

Mit diesen Schuhen malträtierte man allerdings wiederum die Bälle, und die Nähte der Bälle mussten regelmäßig nach den Spielen geflickt werden. Öfters hatte man bei einem Fußballspiel keine Ersatzbälle und wenn der Ball dann mal in einem Bach landete oder im See, dann konnte dies zu längeren Spielunterbrechungen führen. Die Holztore besaßen anfangs noch keine Netze. Dementsprechend gab es selbstverständlich häufig Situationen, die für viel Diskussionsstoff sorgten, ob der Ball nun im Tor oder knapp daneben war. Manch ein Schiedsrichter büßte dabei falsche Entscheidungen, aus Sicht der Heimmannschaft, mit einem Bad im See ein, was jedoch nicht mit dem Einsatz von Tornetzen endete.

Im November 1946 startete dann die erste Meisterschaftsrunde. Das brachte die nächste Herausforderung: Wie kommt man zu den Auswärtsspielen? Mit dem Fuhrunternehmern Mattes aus Stockach fuhr die Mannschaft auf einem LKW, mit Bänken auf der Pritsche und betrieben mit einem Holzvergaser, krachend und stinkend zu den Auswärtsspielen.

Um in den Wintermonaten der Kälte zu trotzen trank man dabei auch die eine oder andere Flasche Schnaps auf den windigen Bänken und hielt sich mit Liedern, wie „rot und weiß, wie lieb ich dich“ oder „rot-weiß ist unsere Fahne in der Heimat“ warm. Der Holzvergaser bereitete gelegentlich Schwierigkeiten, so musste man, bei Auswärtsspielen im Donautal des Öfteren, wenn es die Berge hochging, den LKW den Berg hinaufschieben, weil er die Steigung nicht bewältigte. Einmal begann der Holzvergaser zu brennen und alle Spieler mussten das Fahrzeug schnellstmöglich verlassen.

Ein Vorteil war, dass man zur Not überall schnell Holz finden konnte, wenn „der Sprit“ mal ausging.

1948 nahmen Jugendspieler des SV Ludwigshafen erstmals an einem Fußballturnier in Konstanz teil. Es dauerte jedoch bis zum Jahr 1952, bis eine Jugendmannschaft an einer Verbandsrunde mitspielte.

Der erste größere sportliche Erfolg gelang 1951/1952 mit der Meisterschaft in der Kreisklasse Stockach Gruppe Süd.  Mit einem Torverhältnis von 112: 32 Toren wurde die Mannschaft Kreisliga-C Meister.

Im Laufe der 50-er Jahre wurde es dann knapp mit Fußballspielern aus dem eigenen Dorf und so war man froh, dass es in vielen Nachbargemeinden noch keine Fußballvereine gab. Dadurch konnte man auch Spieler anderer Dörfer (Sipplingen, Bodman, Bonndorf und Espasingen) für den SV Ludwigshafen gewinnen. Nach mehreren durchwachsenen Spielzeiten konnte der sportliche Abstieg im Jahr 57/58 nicht mehr aufgehalten werden und der SV Ludwigshafen musste wieder den Gang in die C-Klasse antreten. Im Jahr 63/64 gelang dann der erneute Aufstieg in die B-Klasse.

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