Erinnerungen an den alten Kindergarten

An der Stelle, wo heute die Volksbank in Ludwigshafen steht, befand sich einst der Kindergarten. Dort gab es eine Zeit vor Tante Nortrud und den pädagogischen Spiel- und Lernangeboten. Und die ging so:

Nach einer Eingangsübung zur Förderung der Feinmotorik, die darin bestand, dass wir -gefühlt- stundenlang bis zur Schmerzgrenze die Hände hoch über dem Kopf nach links und rechts drehen mussten, begann der schöne Teil der Kindergartenzeit, das „Freispiel“. Meist im geräumigen Sandkasten unter einem majestätischen Kastanienbaum, aufmerksam überwacht durch die Ordensschwester Florina.

Am liebsten ließen es wir Buben richtig „stauben“. Besonders beliebt zu meiner Zeit. Dazu füllten wir sehr trockenen fein gesiebten Sand randvoll in unser Eimerchen, setzten den Sieb darauf, der -den Designern sei Dank- perfekt auf den Eimerrand passte, hielten uns den Eimer vor den Bauch mit der Öffnung nach vorne und rannten, diesen kräftig schüttelnd, was das Zeug hielt im ganzen Garten herum.
Dabei stellte ich mir einen Lastwagen vor, der auf staubtrockener Piste mit Vollgas dahin raste. Das ging nur an heißen Sommertagen und dauerte meist nur kurz. Denn die Schwester war alles andere als erfreut über unsere Erfindung und versuchte, sie schnellst möglichst zu unterbinden.
Dazu musste sie uns aber erstmal erwischen.

Einmal, als wir vor Langeweile wohl ganz trostlos aussahen, machte uns Schwester Florina ein fragwürdiges Spielangebot. „Warum spielt ihr nicht mal Doktor„, schlug sie vor

Waaas? Hatten wir richtig gehört? Dokterles spielen?
Hier im Kindergarten, in aller Öffentlichkeit, unter freiem Himmel?
Wußte sie denn überhaupt wovon sie sprach?
Wir schauten uns nur fragend an, grinsten hämisch und ließen uns auf nichts ein.

Zum besseren Verständnis: Was bei uns „Dokterles spielen“ bedeutete, sei für Neugierige ein andermal und an anderer Stelle erklärt.

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