Schwerstarbeit auf der Kirchturmspitze …

… und zum Abschluss eine halsbrecherische Akrobatik auf einem 30 cm breiten Holzdielen ohne Geländer in 54 m Höhe

Bericht von Peter Beirer

Im Jahr der Seegefrörne 1963/64 wurde der Kirchturm renoviert. Die Maurer- und Putzarbeiten, sowie der Gerüstbau wurden von der Firma Fritz Lindenmayer ausgeführt. Die Zimmererarbeiten hat die Firma Josef Beirer ausgeführt. Kurt Trisner, Vorarbeiter der Fa. Lindenmayer, und seine Helfer haben das Arbeitsgerüst aufgebaut. Zu dieser Zeit gab es noch keine Stahlrohrgerüste wie heute. Trisner baute das Gerüst mit Holzstangen, Holzdielen, Gerüstketten und Hanfseilen.
Es wurden am Turm auch einige Änderungen ausgeführt. So wurden die vier Stufengiebel abgebaut und durch Betonschrägen ersetzt.


Die Kirchturmspitze ist eine Holzkonstruktion. Die gesamte Kirchturmspitze wurde im Durchmesser um 80 cm stärker gemacht. Nachdem die Bauarbeiten soweit fertig waren, musste noch das restaurierte Stahlkreuz, ca. 150 kg schwer, hoch geschafft werden. Das alte Kreuz hat die Fa. Fritz Karle restauriert. Das war die letzte Aufgabe, die mein Bruder Herbert und ich zu erledigen hatten. Den ersten Teil, in der unteren Hälfte, konnte man sich mit Seilen und Rollen helfen. Ab Beginn der Turmspitze konnten Herbert und ich nur noch mit unserer Muskelkraft das Kreuz zur Kirchturmspitze bringen und einsetzen.

Man wusste, dass die ganze Aktion schwierig werden würde, deshalb war auch Oberbaurat Muffler vom Erzbischöflichen Bauamt Konstanz zugegen. Auf dem Vorplatz vom Hotel Löwen waren die Familien Beirer und weitere Helfer anwesend, um die schwierige Arbeit zu verfolgen. Auf den letzten 3-4 Gerüst-Etagen musste das Gerüst immer wieder geändert werden, damit man mit dem sperrigen Kreuz weiter kam. So gab es Situationen, bei denen man in 40 – 50 m Höhe auf 2 oder 3 Dielen ohne Geländer stand, um das Kreuz an seinen Platz zu bringen. Zu einem gewissen Zeitpunkt konnte Baurat Muffler aus Sicherheitsgründen die Arbeiten nicht mehr mitansehen und gab Befehl, die Arbeit einzustellen. Er könne die Sache nicht mehr verantworten.

Ehrgeizig haben Herbert und ich weitergemacht und das Kreuz in die vorgesehene Führung reingesteckt. Man musste die letzten Kräfte abrufen, um das Werk zu vollenden. Zur Krönung der gelungenen Aktion habe ich auf einem 30 cm breiten Holzdielen ohne Geländer in 54 m Höhe einen Kopfstand gemacht.

Das Gerüst aus Holzstangen und Holzdielen, verbunden mit Gerüstketten und kunstfertig verknüpften Hanfseilen, war eine technische Meisterleistung unter der Leitung und Verantwortung von Kurt Trisner. Oben, beim frisch errichteten Kreuz: Peter und Herbert Beirer

Zum Glück ist alles unfallfrei abgelaufen.
Anschließend gab es einen kleinen Umtrunk in der Krone.

Bericht von Josef Beirer zur Kirchturmrenovierung

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