Als die Kirchturmuhr noch um Mitternacht schlug

Laute und Klänge, die verstummt sind.

Dass man in einem bäuerlich geprägten Dorf, wie es Ludwigshafen und Bodman vor einem halben Jahrhundert noch waren, von Zeit zu Zeit Kühe muhen, Enten schnattern und Hähne krähen hörte, können sich selbst Menschen mit wenig Fantasie bildhaft bzw. geräuschvoll vorstellen.

Wer aber hört noch in seinem inneren Ohr den rhythmischen und metallischen Klang beim Sensen dengeln? Ja, wer weiß überhaupt, wovon hier die Rede ist?

Sense dengeln schnell
Sense dengeln langsam

Wem klingt die Schelle des Nachrichtenausrufers noch im Ohr?

Das Aufschlagen von Pferdehufen, das Zischen und Schnauben einer Dampflokomotive?

Dampflokomotive bei der Anfahrt.
Dampflokomotive in voller Fahrt.

Das Rattern einer Dreschmaschine? Die kraftvolle, sonore Stimme des Lumpensammlers: „Aalteiiise-Lummmbe“ …. „und Fidlebutzpapier“ beeilten sich die Kindern ihm hinterher zu rufen?

Wer erinnert sich noch an die sich steigernde Klangfolge beim Ankurbeln eines Lanz „Bulldogs“ oder „Kramers“? An dieses anfangs zögerliche, ja bockige, bald aber schon betriebsame und dienstwillige gulp——–gulp——-gulp——-gulp—-gulp–gulp-gulp-gulp-toff-tofftoftofftoff.

Kramer wird angelassen und fährt los.

Davon ist heute nur wenig übrig geblieben. Das Leben in unserem Dorf ist ein-töniger geworden, womit natürlich nicht gesagt sein soll, dass es dehalb auch uninteressanter geworden ist.

Geblieben ist von all den Lauten und Klängen allein der viertelstündliche Schlag der Kirchturmuhren zwischen 06:00 und 22:00 Uhr.
Das Gaggern eines Huhnes oder der Warnschrei einer Gans hört man nur noch im „Hennegässle“, wo Gisela und Eugen ‚Jimmy‘ Lindenmayer einen Haustiergarten betreiben und zur Freude von Groß und Klein Gucklöcher in die Hecke geschnitten haben.

Am Ende dieser kurzen Betrachtung kann man sich fragen, an welche Klangerlebnisse wird sich wohl einmal die Jugend von heute zurückerinnern, die dann außerhalb der Vorstellungswelt ihrer Kinder und Enkel liegen werden.

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